Buchrezension: How to survive ohne Fußball

Kann man ohne Fußball überleben? Und will man das überhaupt? In einer Zeit, in der viele Fußballfans, für die eine Europameisterschaft vielleicht kein adäquater Ersatz für ihren Lieblingsverein ist, genau über diese Frage sinnieren, erscheint im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag ein Buch dazu.

„How to survive ohne Fußball“ – dieser Titel in allerschrägstem Denglisch verursacht bei Sprachliebhabern kaltes Grausen. Aber schließlich kommt es ja auf den Inhalt an. Und beim Blick in ebendiesen stellt sich schnell heraus, dass das Buch weniger ein Ratgeber ist, wie man als geneigter Fan die langen und lästigen Sommer- und Winterunterbrechungen des Liga-Spielbetriebs überbrücken kann. Vielmehr ist ein Ermutigung, sich vom Produkt Bundesliga zu lösen und dürfte damit wohl vor allem die Unzufriedenen ansprechen, die schon lange genervt sind von Asien-Marketing-Reisen, „Firma XYZ präsentiert diesen Eckball“, Fanartikeln in jeder Form und Farbe und überhaupt von der fortschreitenden Kommerzialisierung des Sports, den wir alle so lieben.

Bundesliga-Zirkus

Wenn man etwas über die Vita des Autors weiß, ist das eigentlich keine Überraschung. Philipp Markhardt war lange ein bekanntes Mitglied der HSV-Fanszene, prominenter Streiter für Fanrechte und verabschiedete sich von einiger Zeit desillusioniert von seinem Verein und dem Bundesliga-Zirkus, um mit einigen Gleichgesinnten in Hamburg den HFC Falke e.V. zu gründen – einen Fußballverein, der von Fans geführt wird. Auch der Untertitel „Wie man ohne Bundesliga  überleben kann“ deutet darauf hin, worum es in diesem Buch wirklich geht.

Bildrechte: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Bildrechte: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Markhardt schreibt zwar, dass es sich auch an Fans richtet, die nur temporär ohne Bundesliga überleben wollten – also etwa während der Sommerpause – doch inhaltlich geht sein Buch dann doch eher in die Richtung, dem Hochglanz-Produkt Bundesliga ganz zu entsagen.Auch wenn alle anderen in dem Buch vielleicht auch manch hilfreiche Anregung finden.

Augenzwinkern

Das Werk ist allerdings kein bierernstes Pamphlet, sondern durchgängig launig und mit einem Augenzwinkern geschrieben. Es beginnt mit einer kurzen Aufforderung zur Selbstreflexion. Welchen Stellenwert nimmt der Fußball eigentlich im eigenen Leben ein? Und ist es das wert? Dieser Einstimmung folgt eine Starthilfe und praktische Tipps für diejenigen, die dem ganzen Zirkus nun wirklich entsagen wollen.

Nun folgt der Kern des Buches: Eine Reihe von Vorschlägen, was man mit seiner neu gewonnenen Zeit eigentlich anfangen soll. Diese mündet in den Vorschlägen, sich im Jugend- oder Amateurfußball zu engagieren und vielleicht sogar – nach Markhardts Vorbild – einen eigenen Verein zu gründen. Hier gibt er nach seiner eigenen Erfahrung einen Abriss darüber, was eigentlich auf Vereinsgründer im Detail alles zukommen wird und wie viel Zeit und Herzblut man in einen solchen Verein dann tatsächlich investieren muss.

Nicht weg vom Fußball

Spätestens hier wird deutlich, dass der Titel des Buches irreführend ist. Der Autor will keineswegs die Leute weg vom Fußball bringen. Nicht von dem Sport an sich. Er plädiert vielmehr für eine Rückbesinnung auf das, was diesen Sport eigentlich ausmacht. Etwas, von dem sich die Bundesliga immer mehr entfernt, wie mittlerweile ja viele Fans bedauernd feststellen.

Will man nun wirklich der Bundesliga abschwören, wenn man dieses Buch gelesen hat? Nun, das ging mir nicht so. Dass mich die zunehmende Kommerzialisierung der Bundesliga auch stört, haben regelmäßige Leser dieses Blogs ja schon mitbekommen. Der Bundesliga und dem BVB  abzuschwören kommt für mich aber dennoch nicht infrage. Das Buch gibt einem aber auf jeden Fall Denkanstöße. Und vielleicht kann man ja tatsächlich mal ein Bundesliga-Spiel sausen lassen, um stattdessen am Sonntagnachmittag den eigenen Amateurverein zu unterstützen. Und somit selbst einen Beitrag leisten, damit der Amateurfußball nicht völlig zugunsten der Bundesliga ausgeblutet wird. Muss ja vielleicht nicht gerade dann sein, wenn Derby ist.

Philipp Markhardt: How to survive ohne Fußball. Wie man ohne Bundesliga überleben kann. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2016, 9.99 €.

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