Alles auf Anfang

Europameisterschaft, Olympia – alles Geschichte. Ab jetzt beginnt der Ernst des Lebens wieder. Entspanntes Fußballschauen weicht nervenaufreibendem Mitfiebern. Zumindest wollen wir das hoffen, denn das wäre ja zumindest ein Indiz für eine gewisse Spannung im Liga-Alltag.

Fatalisten haben die neue Saison schon abgeschrieben, noch bevor sie beginnt. Und auch ich hatte während der diesmal außergewöhnlich langen Sommerpause durchaus etliche lustlose Momente mit deprimierenden Tagträumen, in denen für gewöhnlich bajuwarische Meisterfeiern im Spätwinter, rote Ochsen Bullen auf Champions-League-Kurs und nicht zuletzt Mario Götze im schwarzgelben Trikot meist die Hauptrollen spielen.

Zumindest die letztere Vision ist nun Wirklichkeit geworden und ich gebe ganz ehrlich zu: meine Vorfreude auf die neue Saison sank im Moment seiner Verpflichtung zunächst mal von knapp über Null auf frostige, zweistellige Minusgrade. Auch jetzt kann ich nicht behaupten, mich über den Transfer zu freuen. Mir ist klar, dass diese Meinung nicht unbedingt das Gros der BVB-Fans vertritt. Zumindest die Reaktionen in den sozialen Netzwerken und auch bei den bisherigen Testspiel- und Suppencup-Auftritten des BVB lassen vermuten, dass viele BVB-Fans in Götze mittlerweile doch eher den verlorenen und nun heimgekehrten Sohn sehen als den verräterischen Judas.

Kurzer Geduldsfaden

Medial ist man nun über Monate auf diesen Transfer vorbereitet worden, sodass es am Ende wohl keine Überraschung mehr war. Nun, was soll’s? Keiner kann mich zwingen, Götze toll zu finden und ihn zu bejubeln. Auspfeifen ist für mich keine Option, schließlich trägt er nun wieder schwarzgelb und soll Leistung für den BVB bringen. Da wäre es unsinnig, ihn durch Piffe und Schmähgesänge aus den eigenen Reihen zu verunsichern. Soll er halt die Klappe halten und Leistung bringen. Tut er es nicht, hat er vermutlich ein Problem. Götze Rückkehr birgt eine gewisse Gefahr, der Geduldsfaden bezüglich seiner Leistung dürfte bei vielen Fans um einiges kürzer sein, als bei jedem anderen Spieler.

Dass Bayern Meister wird, befürchte ich immer noch und auch diesen Rasenball-Dreck wird man, fürchte ich, so schnell nicht wieder loswerden, solange ein gewisser österreichischer Konzern weiter das Portemonnaie weit aufmacht. Und trotzdem fange ich gerade an, mich auf die neue Saison zu freuen. Bestes Sommerwetter ist angesagt, die Jacke darf zuhause bleiben. Ein Bierchen mit guten Freunden, endlich wieder ins Westfalenstadion und auf die Südtribüne, den BVB anfeuern und ein, zwei, drei entspannte Biere in der Roten Erde nach dem Abpfiff – ja, das klingt schon nach einem gelungenen Samstag!

CL statt EL

Und dann fängt ja auch bald die Champions League wieder an! Gott, habe ich diese blöde Europa League gehasst, ich gebe es ja ehrlich zu! Was für einen Dreckswettbewerb hat man bloß aus dem altehrwürdigen UEFA Cup gemacht? Ich hoffe, der BVB muss nie, nie, nie wieder in einem Pflichtspiel gegen Qäbälä spielen. Gut, die Tottenham Hotspurs und Liverpool haben mich am Ende mit dem Wettbewerb wieder etwas versöhnt, aber grundsätzlich assoziiere ich die EL ab jetzt wahrscheinlich auf ewig mit Anstoßzeiten zur Nachmittagszeit, Gegnern, die man erst mal googlen muss um zu erfahren, aus welchem Land sie eigentlich kommen und einer endlos langen Reihe von verregneten und schweinekalten Sonntagsspielen. Never, never again, please!

Gut, nach der verkorksten Saison war die Erreichen der Europa League damals sicher ein Erfolg, aber ganz im Ernst: Da nehme ich lieber eine Saison ganz ohne Europa. (Die Meinung habe ich vermutlich ziemlich exklusiv, aber damit kann ich leben.)

Vieles wird neu sein beim BVB. Der personelle Umbruch, den viele bereits im vergangenen Sommer erwartet haben, wurde jetzt nachgeholt. Viele neue Gesichter sind im Kader zu sehen, der Eine oder Andere hat in den bisherigen Auftritten durchaus Lust auf mehr gemacht. Man darf gespannt sein.

Umgang mit verdienten Spielern

Sehr schade finde ich, dass ein Urgestein und sportlich sowie menschlich toller Spieler wie Kuba den BVB nun endgültig verlassen hat. Warum Thomas Tuchel ihm nicht zugetraut hat, sich im Kader durchzusetzen, verstehe ich angesichts Kubas Leistungen bei der EM nicht. Generell ist der Umgang mit verdienten Spielern beim BVB etwas, das mir zunehmend weniger gefällt in letzter Zeit. Vorläufiger Tiefpunkt ist hier der Fall Neven Subotic, den man trotz eines gültigen Vertrages nicht mal mehr im Kader aufführt und auch nicht mit aufs Mannschaftsfoto stellte. Fußball ist ein Geschäft, und natürlich kann man auf vergangene Meriten keine Rücksicht nehmen. Auch in der Ära Klopp wurde beispielsweise ein Dédé oder ein Florian Kringe abgegeben, weil ihre Zeit einfach rum war. Aber dies geschah dennoch mit dem allerhöchsten Respekt, ohne den Eindruck zu erwecken, dass die Spieler „abgeschoben“ werden. Kuba, Subotic oder auch Kevin Großkreutz sind dagegen Beispiele dafür, wie man mit verdienten Spielern nicht umgehen sollte.

Sei’s drum. Thomas Tuchel ist in große Fußstapfen getreten, irgendwo vielleicht sogar verständlich, dass er nun versucht, dem BVB seinen Stempel aufzudrücken und insbesondere die Klopp-Lieblingsspieler aussortiert. Er hatte in diesem Sommer zum ersten Mal die Gelegenheit, eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen. Wenn man sieht, was er schon mit dem Klopp-Kader erreicht hat, darf man gespannt sein. Grundsätzlich gefällt mir auch Tuchels Außendarstellung, er wirkt deutlich entspannter, souveräner und gelassener als zu Mainzer Zeiten.

Nicht mehr lange und der Ball rollt wieder. Auch wenn es den einen oder anderen Wermutstropfen gibt: Momentan freue ich mich, dass es am Wochenende wieder losgeht!

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Ein Gedanke zu „Alles auf Anfang

  1. Hallo Sylvia! Dieser Artikel ist so spritzig wie eine erfrischende Dusche. Packt er doch alle „Übel“ den Wurzeln! Wenn die neue Saison genau so wird, dürfen wir uns freuen. Alle guten Wünsche für den BVB!

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