Ein Punkt für die Moral

Nein, die Sterne vom Himmel gespielt hat der BVB am Samstagabend in der BayArena nicht. Weit entfernt von der Pressingmaschine erfolgreicherer Tage zeigt sich die Mannschaft von Jürgen Klopp auch im Jahr 2015. Aber das war zu erwarten. Und dass in der Vorbereitung gute Arbeit geleistet wurde, war trotzdem für den Beobachter zu erkennen. Weiterlesen

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BVB kriecht der Winterpause auf dem Zahnfleisch entgegen

So schnell kann es gehen: war man unter der Woche nach dem Auswärtssieg in Mainz und dem Pokalsieg beim 1. FC Saarbrücken als BVB-Fan noch recht guter Dinge, so zeigt die Stimmungskurve nach der Heimniederlage am Samstag gegen Bayer Leverkusen erst mal wieder nach unten. Weiterlesen

BVB behält im Spitzenspiel die Oberhand: 3:2 in Leverkusen

Wenn der Zweite gegen den Dritten spielt, gilt das gemeinhin als Spitzenspiel. Oft genug präsentieren sich solche Spiele dann als müde, von der Taktik geprägte Kicks, die den Zuschauer einschläfern und die am Ende 0:0 ausgehen, weil die Mannschaften sich gegenseitig neutralisieren.

Auch am Sonntagabend spielte der Zweite gegen den Dritten – und auch nach dem Spiel bekleiden beiden Mannschaften noch die Plätze 2 und 3 der Tabelle. Allerdings konnte der BVB den Werksclub durch den knappen 3:2-Sieg einkassieren und wurde von den Journalisten prompt zum nun „ersten Bayern-Jäger“ erklärt.

Das Spiel indes hielt, was es im Vorfeld versprach. Beide Mannschaften präsentierten sich in exzellenter Verfassung und überzeugten mit aggressivem Pressing und blitzschnellem Umschalten – allerdings nicht zur gleichen Zeit. Zwei so unterschiedlich Halbzeiten hat der BVB tatsächlich schon lange nicht mehr gespielt.

Mitch darf ran

Kurz vor dem Spiel wurde bekannt, dass die etatmäßigen Nummer 1, Roman Weidenfeller, bereits den Rückweg nach Dortmund angetreten hatte. Ein heftiger Infekt hatte den Torwart erwischt und zum Beweis postete er auch kurz darauf ein Foto bei Facebook, dass ihn auf der Couch liegend, aber immerhin mit BVB-Schal zeigte. Somit kam Mitch Langerak mal wieder zu einem Bundesliga-Einsatz und Jürgen Klopp kommentierte die Personalie vor dem Spiel süffisant: „Mitch pickt sich immer die Rosinen raus.“ München, Hamburg, Pokalfinale, jetzt Leverkusen….. ja, da ist was dran!

Langerak sollte noch genügend Gelegenheit bekommen, sein Können unter Beweis zu stellen, was allerdings in der ersten Halbzeit nicht absehbar war. Bereits nach drei Minuten klingelte es im Kasten der Leverkusener: Robert Lewandowski spielte einen Traumpass auf Marco Reus und der lupfte die Kugel über Bayer-Keeper Bernd Leno ins Netz. Ein furioser Start, zumal bereits in der ersten Minute auch Leverkusen eine gute Torchance durch Gonzalo Castro vergeben hatte.

2:0 nach 09 Minuten

Ehe die Leverkusener so richtig begriffen hatten, was da passiert war, stand es auch schon 2:0 für den BVB: Leno holte Lewandowski im Strafraum von den Beinen und Jakub Blaszczykowski verwandelte den Elfmeter gewohnt sicher. Der BVB führt mit zwei Toren Unterschied und es waren gerade einmal 09 Minuten gespielt. Bis hierher war das außerdem eine hundertprozentige Chancenverwertung. Borussia dominierte das Spiel über die komplette erste Halbzeit, Leverkusen versuchte, dagegen zu halten, war aber sichtlich gefordert.

Die zweite Halbzeit sollte dann ein völlig anderes Gesicht haben: Leverkusen wechselte Sidney Sam ein und kam aus der Kabine wie die Feuerwehr und kam schon in den ersten paar Minuten zu einigen Großchancen, bei denen sich Langerak auszeichnen konnte. Zuvor hatte er durch einige Faustabwehr-Aktionen zumindest nicht so souverän wie Weidenfeller gewirkt (was bei der mangelnden Spielpraxis natürlich auch kein Wunder ist), doch in dieser Phase rettete er den BVB mit einigen Glanztaten.

Leverkusen überlegen

In der 58. Minute war er dann aber auch machtlos: Stefan Kießling legte quer auf Reinartz und der versenkte zum 1:2. Jetzt war Leverkusen am Drücker und hatte Blut geleckt. Keine fünf Minuten später fiel das 2:2, wieder durch Reinartz – sonst nicht gerade ein Goalgetter. Doch auch der BVB zeigte nun seine Klasse: während die Leverkusener noch im Jubelmodus waren, starteten die Dortmunder den Gegenangriff Götze wurde elfmeterreif gefoult, Schiri Aytekin entschied auf Vorteil und Lewandowski versenkte den Abpraller zum 3:2.

Kurz darauf wurde Lewandowski wieder im Strafraum gefoult, wieder gab es richtigerweise Elfmeter für den BVB. Doch diesmal scheiterte Kuba an Leno, was den Leverkusenern noch mal Luft und Hoffnung für die Schlussphase gab. Bayer drängte auf den Ausgleich, der BVB geriet ins Schwimmen und konnte nur vereinzelt für Entlastung sorgen. Klopp brachte für die Schlussphase dann Kevin Großkreutz und stellte auf ein 4-3-2-1 um. Vielleicht hätte er diese Maßnahme schon etwas eher ergreifen sollen, dann wären den BVB-Fans vielleicht einige graue Haare erspart geblieben.

Ein echtes Spitzenspiel

So zitterte sich der schwarzgelbe Anhang dem Schlusspfiff entgegen. Noch kurz vor dem Schlusspfiff setzte Andre Schürrle einen Kopfball knapp neben das Dortmunder Tor. Dann war es überstanden, der BVB fuhr den etwas glücklichen Sieg am Ende nach Hause.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich dort wirklich zwei Spitzenmannschaften gegenüber standen. Der BVB-Sieg mag am Ende etwas glücklich gewesen sein, war aber dennoch nicht unverdient, weil er gerade in der ersten Halbzeit die reifere Spielanlage gezeigt hatte und in einer schlechten Phase nach dem Leverkusener Doppelschlag immerhin direkt zurück gekommen war. Auch in der Folge, als Bayer einen irrsinnigen Druck erzeugte, wankte man, hielt aber letztlich stand.

Das Spitzenspiel hatte gehalten, was es im Vorfeld versprochen hatte. Ein ungefährdeter Sieg ist ja auch was Schönes, doch solche Siege sind am Ende irgendwie noch intensiver. Der BVB rückt auf Platz 2 der Tabelle vor und kann die Bayern-Jagd, sofern man angesichts 12 Punkte Rückstand davon überhaupt sprechen kann – am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Hamburg in Angriff nehmen.

Leverkusen: Leno – Carvajal, Wollscheid, Toprak, Boenisch – Bender, Reinartz (87. Milik), Rolfes (46. Sam) – Castro (79. Hegeler), Kießling, Schürrle
BVB: Langerak – Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer – Gündogan (90.+3 Schieber), Bender – Blaszczykowski (80. Großkreutz), Götze (90. Kehl), Reus – Lewandowski
Tore: 0:1 Reus (3.), 0:2 Blaszczykowski (9./Foulelfmeter), 1:2 Reinartz (58.), 2:2 Reinartz (62.), 2:3 Lewandowski (63.)
Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Boenisch (4), Carvajal (6), Leno (1), Reinartz (6), Toprak (5) / Langerak (1)
Besonderes Vorkommnis: Leno (Bayer Leverkusen) hält Foulelfmeter von Blaszczykowski (70.)

Lewandowski vs. Lewandowski: BVB gastiert beim Pharma-Konzern

Ach, war das ein Schock, als letztes Jahr im Sommer plötzlich alle Gazetten mit der Schlagzeile „Lewandowski unterschreibt in Leverkusen“ aufwarteten. Da rutschte manch einem BVB-Fan schon das Herz kurz in die Hose und man dachte sich: „Nein, nein, nein. Komm schon, Robby. Manchester United, na meinetwegen, aber Vizekusen?! Forever Number Two? Das kannst du doch nicht wollen!“

Wollte er auch nicht. Robert Lewandowski spielt bekanntlich immer noch bei Borussia Dortmund, auch wenn nicht so ganz klar ist, wie lange noch. Fast genau so regelmäßig wie angeblich fixe Transfers des polnischen Knipsers – meistens zu ManU – vermelden die Nachrichten ebenfalls angeblich fixe Einigungen mit potenziellen Nachfolgern. „The daily Robert“ taufte der Reviersport dieses Phänomen unlängst.

Duell der Topstürmer

Aber zurück zu Thema. Es war nicht Robert, sondern Sascha Lewandowski, der bei Leverkusen unterschrieb. Und zwar einen Drei-Jahres-Vertrag für den Trainerposten, den er zusammen mit dem Finnen Sami Hyypiä übernahm. Fürs Toreschießen braucht Leverkusen ohnehin niemanden, da sind sie mit Stefan Kießling seit Jahren äußerst luxuriös besetzt und Joachim Löw ist zu seinem offenbar wirklich exzellenten Sturm in der Nationalmannschaft zu beglückwünschen, wenn er glaubt, es sich leisten zu können, auf Kießlings Dienste zu verzichten.

Somit kommt es am Sonntag beim Gastspiel des BVB nicht nur zum – zugegeben irgendwie indirekten – Duell zwischen Lewandowski und Lewandowski, sondern vor allem zum Duell Kießling gegen Lewandowski (womit jetzt natürlich Robert gemeint ist… ach, lassen wir das.). Ersterer hat bereits 13 mal eingenetzt in dieser Saison, Zweiterer immerhin 12 mal.

Spitzenspiel

Überhaupt ist es in jeder Hinsicht ein Spitzenspiel, schließlich empfängt der Tabellenzweite den Dritten und beide Vereine stehen für durchaus ansehnlichen Fußball. Während der BVB sich allerdings vor allem aufs Pressing und Gegenpressing verlegt, ist Bayer Leverkusen vor allem stark im Kontern, allerdings weniger darin, das Spiel selbst machen zu müssen. Hinter Kießling wird es dann mit Gonzalo Castro und Andre Schürrle, Lars Bender (der Zwillingsbruder von Iron Manni) und Simon Rolfes auch nicht signifikant schlechter. Eine kompakte Defensive wird also noch wichtiger sein als in den vergangenen beiden Spielen, denn Leverkusen kann auch wenige Fehler eiskalt bestrafen.

Wohl keine Wechsel

Personell wird sich beim BVB aber wohl nicht viel ändern. Denkbar ist, dass Sven „Iron Manni“ Bender in die Mannschaft rutscht und das direkte Duell mit seinem Zwillingsbruder Lars ausfechten darf. Doch eigentlich gibt es keinen Grund, Sebastian Kehl oder gar Ilkay Gündogan aus der Mannschaft zu nehmen.

Ähnlich sieht es eine Position weiter vorn aus: zugunsten der defensiven Stabilität wäre zwar die Hereinnahme von Kevin Großkreutz eine Option, angesichts der Alternativen aber auch wenig wahrscheinlich. Wen sollte man raus nehmen? Reus? Götze? Blaszczykowski? Unwahrscheinlich, vermutlich wird dieselbe Elf auflaufen wie letzte Woche Freitag gegen Nürnberg. Somit wird wohl auch Nuri Sahin zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen müssen – es sei denn, Klopp setzt sein etwas vages Gedankenspiel um und stellt das System auf drei Sechser um. Dann bliebe aber immer noch das Problem, dass man einen von den drei offensiven Mittelfeldspielern heraus nehmen müsste. Sollte das so kommen, wäre Reus wohl noch der wahrscheinlichste Kandidat.

Sportlich dürfte die Zuschauer eine Partie auf Augenhöhe erwarten. Nur zwei Punkte trennen die Kontrahenten, mit einem Sieg würde sich der BVB auf Platz zwei der Tabelle vorschieben.

Lewandowski und das Ruhrgebiet

„Spitze“ ist außerdem auch die Leverkusener Preisgestaltung: 73 Euro wollte der Werksclub für seine teuersten Sitzplatzkarten im Gästebereich kassieren. Es wäre ein gutes Zeichen, wenn diese Plätze leer blieben. Das sind ja beinahe Hamburger Verhältnisse.

Noch einmal zu Lewandowski, diesmal aber zu Sascha: seine Namensgleichheit mit dem Topstürmer des BVB ist übrigens nicht seine einzige Verbindung ins Ruhrgebiet. Er ist am 5. Oktober 1971 geboren und zwar in welcher schönen Stadt? Genau, in Dortmund.

Wenn Marcel Reif das am Sonntag nicht erwähnt, wäre das echt enttäuschend.

Die voraussichtliche Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Santana, Piszczek – Gündogan, Kehl – Reus (Sahin), Götze, Blaszczykowski – Lewandowski

Eintracht-Fans wühlen Sicherheitsdebatte wieder auf

Da hat man gerade gedacht, die hysterisch geführte Diskussion um Stadionsicherheit habe sich ein wenig beruhigt, da trampelte auch schon der nächste Elefant in Form einiger Eintracht-Fans durch den Porzellanladen bzw. durch die BayArena in Leverkusen.

In der ersten Halbzeit der bis dahin recht mäßigen Partie Leverkusen – Frankfurt beschlossen einige besonders schlaue Fans aus dem Eintracht-Block, die Stimmung ein wenig mit Feuerwerkskörpern und Bengalos anzuheizen. Grandiose Idee. Das Spiel wurde für einige Minuten unterbrochen, das Leverkusener Trainerteam nutzte die Unterbrechung für einige Feinjustierungen im taktischen Bereich und Leverkusen drehte nach Wiederanpfiff auf und machte die Eintracht mit 3:1 platt. So weit, so dämlich. Weiterlesen