Buchrezension: 111 Gründe, den FC Liverpool zu lieben

Eine ganze Menge Vereine hat der Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag in seiner Reihe „111 Gründe“ bereits zum „großartigsten Verein der Welt“ erklärt. Und sicher kann man über eine Reihe diskutieren, die sogar RB Leipzig zum ebendiesem deklariert. Einige dieser Bücher sind wirklich lesenswert, andere krampfen merklich an der Aufgabe, 111 Gründe zusammen zu kriegen. Fabian Biastochs Werk über den FC Liverpool fällt eindeutig in die erste Kategorie.


Der Journalist, der zurzeit bei der Magdeburger Volksstimme arbeitet und auch für Goal.com geschrieben hat, hat bereits als Junge während einiger England-Reisen seine Faszination für die Reds entdeckt. Und es gelingt ihm tatsächlich, den Geist, der diesen Traditionsverein umweht, einzufangen und zwischen zwei Buchdeckel zu packen.

Der FC Liverpool genießt viel Sympathie in Deutschland. Nicht zuletzt deshalb, weil er dem Fußball seine wohl schönste Hymne geschenkt hat: You’ll never walk alone. Klar, dass Biastoch diesem Lied auch ein Kapitel in seinem Buch widmet.

Tragödien

Gegliedert hat er es in 12 Kapitel, er schreibt über Legenden, über Jungspunde, über Fans, über Skandale, über Derbys, über nette Geschichten abseits des Platzes. Und über Tragödien. Über die Geschichte von Liverpool kann man nicht schreiben, ohne über Tragödien zu schreiben. Und der FC Liverpool war bekanntlich an zwei der schlimmsten Tragödien im europäischen Fußball beteiligt: Heysel 1985 und Hillsborough 1989.

Beide Ereignisse prägten die Geschichte des Klubs, seine Innen- und auch seine Außenwahrnehmung. Vor allem die Hillsborough-Katastrophe, bei der 96 Liverpool-Fans im maroden Stadion von Sheffield in einem völlig überfüllten Block erstickt und zu Tode getrampelt wurden, ist untrennbar mit dem Klub, aber auch mit der ganzen Stadt Liverpool verbunden. Das Kapitel über die Katastrophe hat Biastoch sehr einfühlsam geschrieben, es jagt einem Schauer über den Rücken.

Besondere Rivaität

Nicht minder bewegend ist das Kapitel über das Verhältnis zum Lokalrivalen FC Everton. Er erzählt von der Geschichte des Derbys, aber auch vom Zusammenhalt der beiden Lokalrivalen in schweren Zeiten. Sicherlich eine besondere Rivalität.

Diese beiden Kapitel sollen hier besonders herausgehoben werden, aber auch sonst liest sich das Buch durchweg fesselnd, unterhaltsam und oft auch komisch. Der Fan Biastoch schreibt mit Leidenschaft, der Journalist Biastoch verschweigt aber auch die negativen Aspekte nicht.

Insgesamt hat er ein gutes Buch über die Geschichte eines wirklich großartigen Vereins geschrieben. Und dass er an einer Stelle über Dortmund spricht und sympathischerweise vom „Westfalenstadion“ schreibt, zeigt, dass er wirklich ein Herz für Tradition hat. Muss man wohl als Liverpool-Fan auch.

Fabian Biastoch: 111 Gründe, den FC Liverpool zu lieben, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2014, 235 S., 9,99 Euro

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